Saisonstart geglückt – Weltcup I in Belgrad (27.5. – 29.5.)
Die Vorfreude vor dem Saisonstart war sehr gross. Als der alte, neue Headcoach Ian Wright in Sarnen das Zepter in die Hand genommen hat (er war bereits vor den olympischen Spielen 2016 Trainer in der Schweiz und führte unter anderem den leichten Vierer zum Olympiasieg), hörten wir viele unterschiedliche Stimmen und Meinungen. Eines war klar: es wird intensiv und die Trainingsumfänge werden massiv zunehmen.
So war es auch, doch die gesamte Mannschaft hat grosse Fortschritte gemacht und die letzten Trainings vor dem Weltcup zeigten, dass wir gut und schnell rudern können.
Die Anreise nach Belgrad verlief problemlos und die ersten Trainings auf dem für mich neuen Ruderbecken waren gut. Die Strecke ist zentral in Belgrad und ist umzingelt von zahlreichen Cafés und Restaurants – ein cooler Ort, um zu rudern.
Die Ausgangslage
Da nur 6 Boote gemeldet waren, mussten wir keine Vorläufe fahren. Es kam lediglich zu einem so genannten «Testrace» am Freitag. Für uns als junge Mannschaft ist jede Gelegenheit ein Rennen zu fahren eine Chance, Erfahrungen zu sammeln. Insbesondere wenn Weltklasse Boote mit am Start sind, wie zum Beispiel die Chinesinnen, welche mit zwei von vier Olympiasiegerinnen aus Tokyo und zwei weiteren Olympia Teilnehmerinnen am Start waren. Die Ukrainerinnen welche trotz schwieriger Vorbereitungszeit eine starke Mannschaft stellten, unter anderem mit der Olympiasiegerinn aus London. Oder aber die Holländerinnen, welche im Frauen Doppelvierer immer starke Mannschaften stellen. Auch im polnischen Boot ist auf dem Papier jede Menge Erfahrung und Power vertreten (unter anderem zwei Silbermedaillengewinnerinnen aus Tokyo). Eine gute Gelegenheit also, um zu erfahren, wo wir im vergleich mit der Weltspitze stehen.
Freitag, Vorlauftag
Dann hiess es also ein erstes Mal «Attention, Go». Wir sind gut ins Rennen gestartet und fanden schnell einen soliden Rhythmus. Nach 1000m lagen wir lediglich 2 Sekunden hinter dem führenden Boot aus China und 1 Sekunde hinter den späteren Siegerinnen aus Holland. Auf den dritten 500m konnten wir die hohe Pace nicht mehr ganz mithalten und sind leicht hinter die führenden Boote zurückgefallen. Trotz gutem Endspurt, in dem wir die Pace von vorne wieder mitfahren konnten, reichte es nicht mehr zur Spitze, wir beendeten das Rennen auf dem 4. Platz. Die wichtigste Erkenntnis aber war, dass wir auch mit den schnellsten Mannschaften mithalten können.
Sonntag, Finaltag
Nach einem ruhigen Samstag, an dem wir zwei kurze Trainingseinheiten absolvierten, freuten wir uns auf das Finalrennen am Sonntag. Die Bedingungen waren weiter gut, mit leichtem Schiebewind aber flachem und fairem Wasser. Leider begann der Tag mit schlechten Nachrichten. Célia Dupré (auf Position 3 fahrend, also hinter der Schlagfrau Pascale Walker) konnte krankheitsbedingt nicht starten. Lisa Lötscher, welche am Samstag bereits ihr letztes Rennen im Einer gefahren war, befand sich morgens früh bereits an der Strecke und absolvierte gerade ein Training als sie darüber informiert wurde, dass sie um 13h23 mit uns ins Boot steigen wird. Keine einfache Situation für uns alle, dennoch kein Weltuntergang, denn wir wissen um die Stärken von Lisa.
Wir gingen mit gleicher Vorfreude und gleicher Zuversicht an unser Finalrennen. Wir wussten, dass wir auch mit Ersatzfrau an dem guten Ergebnis von Freitag anknüpfen zu können und hielten an unserem Rennplan fest. In diesem Rennen wollten wir uns bei Rennhälfte in einer guten Position wiederfinden. Dieses Ziel ist uns gelungen. Leider konnten wir, wie am Freitag, die schnelle Pace der führenden Boote auf dem dritten 500er nicht mehr halten und fielen leicht zurück. Da wir den Anschluss zum Feld jedoch nie ganz verloren haben, konnten wir uns auf den letzten 500m wieder fangen und ohne weitere Verluste unser Rennen auf dem guten 5. Rang beenden.
Das Finalrennen kann hier nochmals mit Video und Ton nachgeschaut werden: https://worldrowing.com/video/2022-world-rowing-cup-i-belgrade-serbia-womens-quadruple-sculls-w4x-a-final/